Pech mit den Sternen

Zeit für eine Weihnachtsgeschichte.

Nein. Keine Sorge. Ich will hier nicht über Prophezeiungen meines Horoskops schreiben, wie der Titel vermuten lässt. Wobei, hätte ich mal letzte Woche besser ein paar Groschen für ein ordentliches Horoskop ausgegeben, dann wäre ich am Ende zumindest gewarnt gewesen :). Im Nachhinein erkenne ich jedoch selbst die Zusammenhänge. Die Zusammenhängen zwischen den Sternen.

Es begann am letzten Freitag. Ich war zum jährlichen Plätzchen-Fremdbacken in der Küche eines Freundes. Die Zutaten für die Zimtsterne waren vom Feinsten. Mit dabei ein bewährtes Rezept. Doch hinter der Türe lauerte der Freestyle-Teufel, der mich vom rechten Weg abbrachte, indem er mir die fixe Idee ins Köpfchen pflanzte, dass es ganz großartig sei(n könnte), die Zuckermenge um die Hälfte zu reduzieren und stattdessen die Sterne mit ein wenig Amaretto-Likör zu meliorieren.
– Leute, glaubt mir: Das geht nicht gut. Am Ende saßen wir vor einem Häufchen Zimtsterne, die übelst klebten, weil der Eischnee-Überzug nicht so recht mitmachen wollte. Das Gleichgewicht war sicht-/spürbar gestört.

Was allein noch zu verkraften gewesen wäre (auch wenn mein Ruf als Zimtsternkönigin darunter leidet), war dann aber (fast) nicht mehr lustig. Das nächste Kapitel der Sternen-Story hatte nämlich wieder mit Der Bahn zu tun. Ich weiß nicht, woran es lag: ob daran, dass ich seit dem Weihnachtserlebnis mit Der Bahn vor einem Jahr nicht mehr ruhig in einem Zug sitzen kann, oder daran, dass mir von der kurvigen Bahnstreckenführung am Fichtelgebirge vorbei durchs Vogtland  zwischen Dresden und Nürnberg schon ganz schön übel war, ob daran, dass der Herr mir gegenüber sich die ganze Fahrt so laut die Nase putzte, dass ich keinen ruhigen Gedanken fassen konnte, ob daran, dass ich müde war, nach fröhlichen 24 Stunden mit zweien meiner Top30-Frauen in Dresden, einer zappeligen Party und anschließend dem Besuch eines ganz zauberhaften Kindergarten-Krippenspiels am Sonntagvormittag, oder ob es einfach meine Schusseligkeit war. Auf jeden Fall war ich Schuld.

Denn ich vergaß beim Aussteigen die bunte Papiertasche in der Gepäckablage über meinem Kopf, den ich in diesem Moment sonstwo hatte. Und diesen Verlust bemerkte ich zehn Minuten später, als ich im anderen Zug saß und der losgefahren war. Lange Rede, kein Sinn: Ich rannte zum Zugbegleiter, der sehr nett war, und mir helfen wollte. (Ein klein wenig Bahn-Kritik darf an dieser Stelle aber doch sein: Denn was am Anfang alles sehr vernünftig klang, um meine Tasche aufzufinden, verlief sich spätestens am ServicePoint in München wieder im Doof: „(…) Könnten Sie vielleicht den Zugbegleiter des Zugs, in dem ich die Tasche vergessen habe und der wieder zurück nach Dresden fährt, versuchen anzufunken, um zu fragen, ob die Tasche gefunden wurde?“- „Nein, das geht nicht. Das kann nur die Stelle für Fundsachen.“ – „Kann ich diese Stelle denn jetzt kontaktieren?“ – „Nein, die ist erst wieder morgen früh ab 7:30 besetzt.“ – „Aber, aber….. dann fährt der Zug doch nicht mehr zurück nach Dresden……. :(…“)

Nun stehe ich ohne Papiertasche da. Meine einzige Hoffnung ist, dass der Finder sie gut gebrauchen kann, die zwei Herrnhuter Sterne in gelb und in weiss zusammenbastelt, das Kabel und die beiliegende Glühbirne montiert, und… sich am Ende ein Kind über den neuen, leuchtenden Stern freut.

Dumm ist nur, dass ich die beiden Sterne nicht verschenken kann. Wie geplant.* **


* Das ist jetzt eine Stelle – finde ich -, an der ich eine riesen Runde Mitleid für Richy einheimsen  könnte. Nein? – Alternativ tun’s auch Kuchenspenden :).

** So ärgerlich das ist, so schön waren die Stunden davor in Dräsd’n. Vielleicht war das einfach nur die Rechnung des Himmels dafür??? Wenn’s so ist, dann kann ich’s akzeptieren :).

*zzzzzzzzz*

….zzzum Thema: DB

Baden-Baden, den 27.02.2012

Sehr geehrte xxx,

wir bedanken uns für Ihre erneute Mitteilung zu der oben genannten Fahrpreisnacherhebung.

Ein erhöhter Fahrpreis wird erhoben, wenn der Reisende bei Reiseantritt keine gültige Fahrkarte besitzt bzw. vorlegen kann.

Der erhöhte Fahrpreis beträgt das Doppelte des Normalpreises für die vom Reisenden bereits zurückgelegte Strecke, mindestens jedoch 40,00 EUR. Ihr Vergleich wird nicht angenommen.

Ihre Zahlung in Höhe von EUR 40,00 erwarten wir nunmehr unter Angabe des oben genannten Aktenzeichens bis zum 12.03.2012.

Vorsorglich teilen wir Ihnen noch mit, dass wir weitere Korrespondenz zu oben genannter Fahrpreisnacherhebung als gegenstandslos betrachten und nicht mehr beantworten werden.

Mit freundlichen Grüßen
DB Vetrieb GmbH
Fahrpreisnacherhebung 

Franzi Fahrschein*



*Name von der Bloggerin geändert.

Auch wenn der Pumuckl in meiner Brust sich noch eine ganze Weile über diesen Sachverhalt aufregen könnte und ich einige Tage überlegt habe, ob ich nun a) die 40 Euro zahle, mit dem Schwamm drüber gehe, die Sache unter „Fehler gemacht!/Dazu gelernt?“ verbuche, oder b) zunächst die Schlichtungsstelle für den Öffentlichen Personenverkehr anschreibe, um mich  weiter mit der Frage zu beschäftigen, ob das Verhalten des Herrn Schmalhorn unberechtigt oder einfach nur nicht sehr freundlich war, jetzt also diese Wendung:

Happy End. DB bekommt ihr Geld. Und ich meinen Frieden, in dieser Sache.

Hintergrund:
Ich bin mir bewusst, dass ich Fehler gemacht habe. Nicht nur, dass ich Schaffner Schmalhorn einen Sadisten genannt habe, dass ich mich über Gebühr habe reizen lassen, von einem vielleicht doch nur sehr kleinen, beschränkten Mann, und enttäuscht war über die In-Existenz von Weihnachtsfrieden an jenem Tag.

Wichtiger noch: Ich habe es versäumt, vor dem Ausstieg Menschen im Zug um mich herum zu fragen, ob sie bereit wären, mir ihre Adresse zu geben um notfalls als Zeugen bereit zu stehen, falls ich den Sachverhalt doch noch klären lassen wolle. Und hauptsächlich weil mir diese Zeugen fehlen, breche ich meinen Widerstand hier ab. Denn am Ende behauptet Schmalhorn noch, ich hätte nackert auf seiner Nase Striptease getanzt, und die einzige Möglichkeit, sich gegen diesen Angriff von meiner Seite zu wehren sei gewesen, mich sofort aus dem Fenster zu werfen. Weil das aber nicht ging, habe er damit bis zum nächsten Halt gewartet. Oder irgend so ein Quatsch. Und ich kann nicht beweisen, dass die Szene sich nicht exakt so zugetragen hat.

Alternative:
Ich werde dem Schaffner ein perfides Denkmal setzen, indem ich „Schmalhorn“ in meinen aktiven Schimpfwort-Katalog aufnehme. Und das nächste Mal, wenn ich im Zug sitze und sich was Unerfreuliches anbahnt, werde ich sagen – ruhig und kontrolliert: „Sie – sind – ein -Schmalhorn!“ – Und falls ich dann aufblicke, und auf der Silberplakette vor mir steht zufaellig „Schmalhorn“…

…dann kann mir der Schaffner nichts anhaben.

Überhaupt,
es gibt Wichtigeres. Am vergangenen Freitag habe ich bei der Führerscheinstelle meinen Traktor-Führerschein beantragt. Ich hab’s gar nicht nötig, mich über DB aufzuregen. Schließlich gibt es auch Deutz, Valtra, Claas, Fendt,……..

Die Bahn-Wahn-Vorstellung*

* Den Titel fand ich einfach ein wenig gut. Er hat NIX, NIX, NIX mit dem nachfolgenden Blogpost zu tun.

Liebe Freunde,

es geht weiter. Luft holen und anschnallen.

Nach dem 1.Akt (Ein Zugbegleiter tritt in mein Leben, und ich sogleich wieder aus seinem (Zug)) und dem 2. Akt (Offene Fragen, Ein Schriftwechsel), folgt nun, ganz frisch und schneebedeckt der 3.Akt.

Ich erhielt erneut Post von der Bahn. Vorab möchte ich betonen, dass mich das ansich gefreut hat. Schließlich hätte es mich bei meinem -in dieser Sache- bösewichtigem Bahn-Bild nicht gewundert, wenn jetzt ein Inkasso-Unternehmen im Namen der Bahn mit An-Mich-Schreiben dran gewesen wäre. Also gut.

Doch der Inhalt der Antwort dämpfte meine Freude sogleich. Nach der Lektüre war einer meiner ersten Gedanken: „Wie bekloppt muss so ein Schreiben auf einen Nicht-Juristen wirken???“

Dazu folgender Wortlaut:

Sehr geehrte Frau xxx,


Ihre erneute Mitteilung zu oben genannter Fahrpreisnacherhebung vom 24.12.2011 haben wir erhalten und teilen Ihnen dazu folgendes mit:

— Soweit nicht zu beanstanden.—

Die Fahrpreisnacherhebung wurde erstellt, da bei der Kontrolle für die in Anspruch genommene Leistung keine gültige Fahrkarte vorgezeigt werden konnte. nach den Beförderungsbedingungen hat der Fahrgast dafür den erhöhten Fahrpreis in Höhe von mindestens EUR 40,00 zu entrichten.

—Soweit nicht zu beanstanden, außer dass der Absatz ein wenig bedeutungs-abgemagert daher geschlichen kommt.—

Als Zeichen unserer Serviceorientierung und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht haben wir die Forderung bereits ermäßigt.

—Danke. Das ist echt nett. Jetz‘ sag‘ bloß. Statt vollen EUR 40 zahle ich jetzt also ermäßigte EUR 40 (siehe unten). Um was wurde hier ermäßigt? Verzugszinsen? Mahngebühren? Gutgeschrieben Bonus-Punkte? – Gerne hätte ich erfahren, wieviel die Ermäßigung -und damit die Serviceorientierung der DB- wert ist.—

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir auch im Hinblick auf die Gleichbehandlung aller Kunden keine andere Entscheidung treffen können.

—Nein, habe ich nicht! Erstens wird dieser Satz nicht besser, wenn man ihn in jedem Schreiben automatisch wiederverwendet. Und zweitens: Schließlich wurde auch während der Zugfahrt kein Kunde der DB vergleichbar behandelt wie ich, als sich die wüste Szene mit Rausschmiss am Ende abgespielt hat. Diese ständig wiederkehrenden ***-Floskeln sind meine eigentliche Feinde, grrrrr….. Vor allem, wenn edle Worte wie „Pflicht“, „Gleichbehandlung“, et altera für Entschuldigungen herangezogen werden, die nichts entschuldigen.—

Wir bitten unter Angabe des oben genannten Aktenzeichens um Überweisung des Betrags in Höhe von EUR 40 bis zum 23.02.2012.


Mit freundlichen Grüßen,
DB Vertrieb GmbH
Fahrpreisnacherhebung


Anlage: Zahlschein 

Ich bin wieder dran, mit Schreiben! 🙂 Eine Mail an Pro Bahn e.V., und eine Mail an Die Bahn.
– Ich habe es aufgegeben, auf Antworten von der DB auf meine Fragen zu hoffen. Ich kann das entschuldigen. Oft genug habe ich ja schon auf meine eigenen Fragen keine einfachen Antworten. Daher möchte ich das ganze Theater mit einem Vorschlag beenden:

Sehr vereehrte Damen und Herren der DB Vertrieb GmbH/Fahrpreisnacherhebung,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 9.2.2012.

Erneut enthält Ihre Antwort nichts Neues und vor allem keine Antwort auf meine zwei Fragen. Zumindest keine direkte. 

Um das Ganze abzukürzen, hier ein Vergleichsangebot:

Ihrem Schreiben entnehme ich indirekt, dass es mit einem erhöhtem Beförderungsentgelt i.H.v. 40 Euro für die Strecke von A nach B bei meiner Fahrt am 24.Dezember 2011 bereits getan gewesen wäre.
(Arg.: Einfache Fahrt für die betreffende Strecke, mit BahnCard 25 —- 15,90 Euro. D.h. Doppelter Fahrpreis = 31,80 Euro. D.h. Erhöhtes Beförderungsentgelt = 40 Euro.)
Den Ausschluss von der Weiterbeförderung will ich daher nicht weiter thematisieren und verzichte insoweit auf etwaige Ansprüche.

Ihre unstreitige Forderung i.H.v. 40 Euro würde ich daher für einen Vergleich um denjenigen Betrag der Kosten kürzen, die mir  durch den Ausschluss von der Weiterbeförderung durch Ihren Zugbegleiter in D entstanden sind.
(Einfache Fahrkarte von D in meine Heimatstadt, mit BahnCard 25 — 8,30 Euro, siehe Scan-Anhang meiner ersten Mitteilung an Sie).

Ich bin daher gerne bereit, zur finalen Erledigung dieses Sachverhalts der DB 31,70 Euro zu überweisen.
Bitte geben Sie kurz Zeichen, ob Sie mit diesem Vergleich einverstanden sind.

Mit freundlichen Grüßen,
Richeza

Nun hoffentlich Schluss damit.

— Nachtrag 16.Februar 2012, @911
Justament rief mich ein freundlicher Vertreter des Fahrgastverbands Pro Bahn e.V. auf mein Mail von gestern hin an. Hut ab. So schnell hatte ich nicht mit einer Reaktion gerechnet. – Ich glaube, ich bin gut beraten, wenn ich mich mit der Geschichte an die Schlichtungsstelle für den Öffentlichen Personenverkehr wende. * nextstep* Mir hat das Gespräch geholfen, einen differenzierteren Blick einzunehmen. Denn tatsächlich ist die Sache nicht 100% klar & easy. 
Was ich jetzt schon weiß: Ich werde Mitglied bei Pro Bahn e.V. (Ich mag das „pro“, anstatt „anti“),

Zunächst einmal möchten wir Ihnen sagen, dass…

…wir die seltenen Beschwerden über unsere Zugbegleiter sehr ernst nehmen. Schließlich gehören Kundenservice und Freundlichkeit zu den wesentlichen Eigenschaften, die wir als Unternehmen repräsentieren wollen.

– Das ist der schönste Satz eines Schreibens der DB Bahn, das mich heute erreicht hat. Das „selten“ in „seltenen Beschwerden“ wirkt auf mich ein wenig gekünstelt. Würde da nicht „selten“ stehen, würde man gar nicht erst angeregt, darüber nachzudenken, wie häufig Beschwerden über Zugbegleiter tatsächlich sind. Und auch den vorhandenen Wille, Kundenservice und Freundlichkeit repräsentieren zu wollen finde ich gut. Echt jetzt.

Ich hatte dem  Unternehmen von den Vorfällen am 24. Dezember vergangenen Jahres berichtet und vor Zahlung des erhöhten Beförderungsentgelts um Stellungnahme zu zwei Fragen gebeten.
(Frage 1: War der Zugbegleiter verpflichtet, mir zusätzlich zum erhöhten Beförderungsentgelt noch eine einfache Fahrkarte von C in meine Heimatstadt zu verkaufen?
Frage 2: War der Zugbegleiter berechtigt, mich in D von der Weiterbeförderung auszuschließen, indem er mich zwang, den Zug umgehend zu verlassen?).

In dem heutigen Schreiben der DB Bahn wird darauf nicht eingegangen. Stattdessen werde ich gebeten, (…) „Verständnis dafür (zu haben), dass wir aus Gründen einer fairen Gleichbehandlung aller Kunden auch in Ihrem Fall leider keine Ausnahme machen können und auf der Begleichung unser berechtigten Forderung bestehen müssen.“
– Herrje, ich glaube heute Nacht werde ich einen Alptraum haben: Wie alle Kunden der Bahn gleich behandelt werden wie ich, und reihenweise aus dem Zug fliegen. Ungeheure Vorstellung…….!

Ich habe also vorhin erneut an Die Bahn geschrieben. Denn ich hätten den Sachverhalt gerne geklärt, um  wieder unbeschwert Zug fahren zu können:

Sehr geehrte Damen und Herren der DB Vertrieb GmbH Fahrpreisnacherhebung,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 20.01.2012.

Bei der Prüfung meiner Mitteilung zur  Fahrt am 24.12.2011 scheinen in Ihrer Abteilung meine Fragen abhanden gekommen zu sein. Jedenfalls enthält das Schreiben keine Antworten.

Ich bitte weiterhin vor Zahlung der offenen Forderung zunächst um Stellungnahme zu folgenden zwei Fragen:

1. (…)

2. (…)

Sie verstehen, dass ich ohne Stellungnahme zu diesem nicht ganz alltäglichen Sachverhalt voerst die offene Forderung – das erhöhte Beförderungsentgelt in Höhe von 40 Euro an sich ist unstrittig – nicht begleichen kann.

Der Ausschluss von der Weiterbeförderung vor Augen der Mitreisenden war für mich äußerst demütigend. Zieht man in Erwägung, dass dem voraus die -möglicherweise- nicht gerechtfertigte Aufforderung des Zugbegleiters erfolgte, zusätzlich zum erhöhten Beförderungsentgelt auch noch eine einfache Zugfahrkarte lösen zu müssen, dann wird der gesamte Vorgang noch unangenehmer. Zumindest eine Entschuldigung Ihres Unternehmens an mich als eine langjährige Bahnkundin wäre dann angemessen.

Ich bitte Sie daher um eine substantiierte Stellungnahme, zugeschnitten auf meinen Sachverhalt. Anderenfalls werde ich Einrichtungen des Verbraucherschutzes konsultieren.

Mit freundlichen Grüßen,
Richeza

Wie man aus einem Zug der DB fliegt – Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Diese Zufälle. Da schrieb ich gerade noch im letzten Beitrag gut gelaunt

„…und wenn man Aussicht hat, eine verpasst geglaubte U-Bahn mit ein bisschen Rennen doch noch zu erreichen, dann sollte man mal kurz schnell machen“,

und dann passiert mir das.

Es war am Morgen des 24. Dezember, Samstag. Ich hatte eben noch den Cello-Bogen für meinen Bruder abholen können, eilte zur U-Bahn, und prompt kam die Bahn eingefahren, just in dem Moment als ich den Bahnsteig betrat. Am Hauptbahnhof spuckte mich die Tür aus, ich rannte zum Zug in Richtung Heimat. Zeit zum Fahrkartenkauf blieb nicht mehr. Mein Fehler. Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Ich sah den Schaffner am Bahnsteig stehen, in einer Unterredung. Ich wollte nicht stören, um zu sagen, dass ich keinen Fahrausweis hatte, und ob ich im Zug nachlösen könne. Stieg ein. Mein Fehler. Verschwitzt sank ich in auf einen Sitzplatz. Der Schaffner kam wenige Minuten nach Abfahrt zur Fahrkartenkontrolle. Ich saß da, mit gezückter BahnCard und Geldbeutel, und wollte freundlich nachlösen.

Der Schaffner: „Nein, das geht nicht mehr, Fahrkarten im Zug lösen. Schon seit 2007. Sie fahren ohne Fahrkarte. Das kostet 40 Euro. Sie fahren bis A, von dort können Sie eine Fahrkarte kaufen. – Warten Sie, ich bin gleich wieder bei Ihnen.“

– Stop. – Der Zug fährt wieder an. Die freundliche Familie nebenan bietet mir zwischenzeitlich an, dass ich bis B gerne bei ihnen auf ihr Bayern-Ticket mitfahren könne, sofern der Schaffner sich noch darauf einließe. Ich danke, und sage, dass ich andernfalls die 40 Euro zahle. Der Schaffner kommt zurück.

Ich frage ihn: „Lassen Sie vielleicht mit sich handeln? Ich könnte bei diesen Herrschaften bis B mitfahren und mir dort für den Rest der Strecke eine Fahrkarte kaufen?“

Der Schaffner: „Nein, das geht nicht. Nicht, wenn man sich für ein Bayern-Ticket erst im Zug zusammenfindet.“

Ich murmel hörbar vor mich hin, mein Fehler: „…Toll,… ausgerechnet an Weihnachten! “ – und finde mich bereits damit ab, dass ich 40 Euro für die Fahrt in die Heimat zahlen muss.

Er so: „Das hat nichts mit Weihnachten zu tun. Ich tue nur meine Pflicht.“

(Dieser Satz ist es, der mich von 180 auf 240 bringt: Das ist der Satz der Nazi-Schergen, der Mauerschützen, aller Folterknechte. Kurz: Der Satz, der Menschlichkeit und Gewissen ausschalten kann. Ich weiß, ich lehne mich in diesem Moment sehr weit aus dem DB-Fenster, wenn ich das schreibe.)

Ich so, mein Fehler: „Toooooll!…. 1 mit Stern!…Wirklich! . Sie machen das eeeecht gut!… (und nuschele weiter) Meine BahnCard wird gekündigt….. kann ich mir nicht mehr leisten…….Erstklassiger Service.“

Er so:  „Nun, Sie fuhren bis C (das war der letzte Stop) ohne Fahrkarte……“

Während er neben mir steht, nehme ich mein Mobiltelefon zur Hand und rufe meinen Vater an, um ihm zu sagen, dass ich um soundsoviel Uhr in der Heimat ankommen werde, dass ich keine Zeit mehr hatte, vor Fahrtantritt eine Karte zu kaufen, weswegen mir gerade ein freundlicher Schaffner 40 Euro abknöfpt. Mein Fehler.

Der Schaffner tippt weiter reglos und kühl auf seinem Umhänge-Computer herum. So geht das eine Weile. Die Stimmung lädt sich auf. Ich reiße ihm forsch die BahnCard aus der Hand, nachdem er meine Daten aufgenommen hat. Ich darf das. Das ist meine BahnCard.

Ich frage: „Kann ich die 40 Euro auch sofort bar bezahlen? Dann ist die Sache erledigt.“

Er so: „Warten Sie einen Moment. Ich rechne gerade aus, was die Fahrt von C bis zu Ihrem Zielbahnhof kostet…..“

Ich bin verwirrt: Bekomme ich jetzt doch eine Fahrkarte im Zug, oder wie…? Doch sogleich realisere ich, dass der Schaffner daran denkt, ZUSÄTZLICH zum erhöhten Beförderungsentgelt von 40 Euro mir noch eine Fahrkarte anzudrehen. Ich denke, der spinnt: Hallo! Ich zahle jetzt 40 Euro, damit ist die Sache geritzt. Das ist dann mein Fahrschein. Ich muss nicht außerdem noch einen Fahrschein lösen!!!!!

Ich so: „Äääähm,… darf ich Ihren Namen erfahren?…. (er zeigt auf sein silbernes Schildchen. Dort steht: P. Schmalhorn)… Aha, Herr P. Schmalhorn? Werde ich mir merken.“

Er bleibt hart, eiskalt, wenig kooperativ. Doch, das müsste ich: 40 Euro ab der Fahrkartenkontrolle bis zum nächsten Halt, und von da ab eine reguläre Fahrkarte… Ich bemerke, wie er seine gefühlte Macht auskostet. Er ist nicht nett. Ich auch nicht (mehr).

Ich werde zornig, mein GROSSER Fehler, und sage, langsam, deutlich: „Sie – sind – ein – Sadist!“

Er so: „So. Für Sie ist die Fahrt beim nächsten Halt beendet.. Hier (reicht mir den Zettel für die Fahrpreisnacherhebung). Sie steigen in D aus.“

Er geht. Der Halt in D kommt. Ich steige nicht aus. Der Zug fährt an. Der Schaffner kommt wieder.

Er so: „Sie noch hier??? – Ich sage es Ihnen zum letzten Mal: Sie  steigen beim nächsten Halt aus!“

Ich so: „Können wir das nicht gütlich lösen?“

Er so: “ Ich habe Sie 2x gewarnt (Ich weiss in dem Moment nicht, wie er bis 2 zählt)…. Ich lasse mich nicht beleidigen. Sie steigen aus.“

Ich so, nicht mein Fehler: „Hören Sie, dann stellen Sie mir eben einen Fahrschein bis in meine Stadt aus. Ich steige nicht aus. Sie können gerne die Polizei holen.“

Der nächste Halt kommt. Und mit ihm der Schaffner. Er steht vor mir: „Sie. Sie steigen jetzt aus.“

Ich so: „Ich steige nicht aus. Sie können die Polizei holen.“

Er so: „Guuuuut. …. Aber nur zur Ihrer Information: Wenn ich jetzt die Polizei rufe, dann tragen SIE die Kosten für den Polizeieinsatz. Und die Kosten, dass dieser Zug hier so lange stehen bleibt, bis die Polizei da ist. Das sind alles Regressansprüche, die auf SIE zukommen.“

Ich denk mir: Erzähl‘ mir nichts von Regressansprüchen, Du Depp. Ich habe Jura studiert. Doch trotzdem bekomme ich in dem Moment weiche Knie. Mein Fehler.

Schließlich steige ich am Arsch der Welt aus. Wegen eines A*** von Schaffner.

Ich rufe meinen Bruder am, um ihm  zu sagen, dass mich der Schaffner unterwegs aus dem Zug geschmissen hat. Seine erste Reaktion („Dreckssack!“) tut mir gut und nimmt mir jedenfalls die überschäumende Wut, ja, fast ist es Hass, die ich verspüre. Ich kaufe mir sogleich eine Fahrkarte von Arsch der Welt zu meiner Heimatstadt. Ich habe nun 1 Stunde Zeit, um über das Erlebte nachzudenken und auf den nächsten Zug zu warten. Mehr kann ich am Arsch der Welt nicht tun. Denn es gibt dort am 24. Dezember NICHTS, wo man sich einen warmen Kaffee kaufen könnte. Also denke ich nach: Über mein Verhalten auch, meine Fehler.

Und ich hatte Zeit, meinen Zettel mit dem erhöhten Beförderungsentgelt von 40 Euro in Ruhe zu studieren. Und da steht drauf: Ich hätte damit bis in meine Heimatstadt fahren dürfen. Ohne zusätzlichen Fahrschein.

ENDlich, in meiner Stadt angekommen schaue ich mir das alles doch Mal genauer an. Die aktuellen Beförderungsbedingungen der DB vor allem:

6.1 Allgemeine Verhaltenspflichten
(…)
Jeder Reisende hat sich so zu verhalten, dass andere Reisende nicht über Gebühr gestört oder belästigt werden. Reisende, die sich entgegen den vorstehenden Regelungen verhalten, die Weisungen der Mitarbeiter missachten oder in sonstiger Weise eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung darstellen, können von der Beförderung bzw. Weiterbeförderung ohne Erstattung des Fahrpreises und des Gepäckpreises ausgeschlossen werden.“

Das ist spannend: Andere Reisende wurden durch mein Verhalten nicht gestört. Vielmehr mussten die Guten um mich herum notgedrungen Zeugen werden einer ziemlich albernen Konversation. Nur die Eitelkeit eines einzigen Herrn P.Schmalhorns als Mitarbeiter der DB wurde gestört.

Ich habe in meinen Augen keine Weisung des Schaffners missachtet, die meinen Ausschluss von der Weiterbeförderung gerechtfertigt hätte. Ich war zahlungsbereit. Er hätte mir alles andrehen können an Fahrkarten, was sein Umhänge-Computer her gegeben hätte, ich hätte es zuhause nochmals überprüft und mich notfalls an Die Bahn gewandt. Und die Weisung des Schaffners zu missachten, den Zug am Arsch der Welt vor Beendigung meiner Fahrt umgehend zu verlassen kann kaum den Schaffner dazu berechtigen, mich anzuweisen, den Zug am Arsch der Welt vor Beendigung meiner Fahrt umgehend zu verlassen. Mh? – Wenn der Schaffner der Ansicht war, dass ich ihn mit dem Satz „Sie sind ein Sadist.“ beleidigt habe, dann kann er strafrechtliche Ermittlungen gegen mich anstrengen. Aber mich nicht nötigen, unter Androhung womöglich hoher Regressforderungen, den Zug schnellstens zu verlassen.

Eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung ging von mir nicht aus. Ich habe wiederholt meine Einigungs- und Zahlungsbereitschaft deutlich signalisiert. Ich war nicht außer Rand und Band, nicht versucht, den Schaffner auf’s Wildeste zu beschimpfen und zu schmähen, von wegen „Sieeeee,…. Sieee….!“. Ich war still -wie die Mitreisenden bemerkten-, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich ihn für einen Menschen mit sadistischen Zügen hielt.

Ich werde der Die Bahn schreiben und ihr diese Geschichte berichten.

Soviel zum Unwort des Jahres, dem Wörtchen „schnell“: Manchmal ist es eben doch besser, eine U-Bahn sausen zu lassen, und gleich den Zug später zu nehmen.

🙂