Huhn ist nicht gleich Kuh

Tönt banal, der Titel. Ist es für mich aber nicht.

Die erfolgte Umstellung von ein paar Dutzend Kühen (paradiesisch!) auf Tausende von Hennen (Realität…) ist anfangs nicht ganz einfach für mich. Hilfreich dabei ist, dass ich (wieder 1x) fettes Glück hatte: Mein aktueller Betrieb ist gut. Zwei Generationen wirtschaften dort vorbildlich (und faszinierend) zusammen. Der Umgang miteinander ist direkt und auf gleicher Augenhöhe.

Meine Tätigkeitsbereiche bisher: Spannend. Queerbeet.

Ich freue mich auf Sommer II auf’m Acker! Und im Stall. Und beim Eiersortieren. Und beim Rest* auch.

* Das Mittagessen, das meine Senior-Chefin täglich auf den Tisch zaubert, macht mich ganz glücklich :-P… 

Honigschlecken*

Ich muss es jetzt mal sagen: Was ich momentan tue ist wirklich kein reines Honigschlecken.
Im Gegenteil, es ist echt hart! 🙂

Immer zwickt es irgendwo, Muskelkater ist mein ständiger Begleiter, und wenn ich halb so dusselig wäre hätte ich auch nur halb so viele blaue Flecken. Und wenn einem eine Kuh an den Arm scheisst, dann stinkt das…

Und doch, es macht Spass. Auch ohne viel Agrar-Romantik.

In diesem Sinne,
herzlich mit Wink vom Traktor

Richeza

* Und freilich: Daneben schlecke ich so viel (selbstgeschleuderten – darunter tue ich’s nicht mehr, is‘ klar 🙂 Honig auf Butterbrot wie in meinem ganzen Leben bisher nicht.

Schlachtruf

Gestern kam hier neues Leben in Gestalt des Stier-Kalbs Sascha (so hab ich ihn genannt – mal sehen, ob’s sich durchsetzt 🙂 an. Heute kam der Schlächter. Also der Viehwagen vom Schlachthof. Er holte eine Kuh ab, die manchmal so schlecht gehen konnte, dass man sie fast auf die Weide tragen musste.

Das Beste am Viehwagen war sein Fahrer: Ein kleines, graubärtiges, plapperndes Männchen, unüberhörbar AUS MEINER GEGEND, nämlich dem „besseren Bayern“. (Zitat: Kleines, graubärtiges, plapperndes Männchen) 😛 – „So ein Schmarr’n“ würde nicht nur Max dazu sagen, sondern ich mittlerweile auch. Denn Oberbayern ist wirklich der Oberhammer. Es gefällt mir, immer noch.

Auf eigenen Beinen



Kälbchen ist da. Kam heute auf die Welt.

Viele Premieren waren damit verbunden:
Für diese Kuh war es die erste Geburt. Das heisst, dass die Kuh nach der Geburt auch zum ersten Mal gemolken wurde.
Für mich war es die erste Kälbchengeburt.

Und irgendwie war das sehr spannend. Aber nicht lustig.
Denn die Geburt war nicht einfach.

Und ich habe noch nie zuvor eine Kuh so daliegen sehen wie bei der Geburt, mit den Wehen, und so seltsam archaische Laute machen gehört.
Und ich habe noch nie ein Kälbchen gesehen (es ist ein Stier-Kalb, das wir wohl bald an einen Mastbetrieb verkaufen werden) wie es ganz feucht nach der Geburt zittert.

Alles scheint mit dem Kalb nicht in Ordnung zu sein denn es steht noch nicht auf eigenen Beinen. Was es eigentlich schon können sollte. Ich werde sehen und mir weiterhin Gedanken zu Nutztierhaltung machen. Es ist alles nicht so einfach, scheint mir. Bei den Menschen wie bei den Tieren. Das hat halt mal gar nix mit Ponyhof und Kuscheltierchen zu tun…

In diesem Sinne verabschiedet sich nach einem Tag voll einprägsamer Impressionen (….ahnt Ihr, wie es bei der Geburt eines Kalbs riecht? Keine Sorge: Nicht widerlich. – Aber doch sehr besonders. Ich bekomme den Geruch nicht aus der Nase.),

Richeza

Mama mit Kind

Alptraum. Und andere Träume.

Es ist immer wieder traumhaft. Mein letztes Wochenende zum Beispiel. Da war ich in Ostwestfalen auf einer Hochzeitsfeier. Und direkt neben unserem kleinen Hotel war ein Viehzuchtbetrieb für schwarz-bunte Kühe, den ich in einem ruhigen Moment besichtigt habe. Und lauter nette Preußen waren da! Und Bulldogs sind vorbeigefahren. Es war wirklich schön.

Das ließ mich auch vergessen, dass ich noch am letzten Donnerstag einen ganz gemeinen Alptraum hatte. Denn christi-himmelfahrt-feiertagsbedingt „durfte“ ich am Donnerstagabend einfach nicht beim Melken helfen. Ich sollte mich ausruhen. Das ging nach hinten los. Denn deswegen wachte ich am nächsten Morgen um 5 Uhr schweissgebadet auf. Ich hatte geträumt, dass es mir unmöglich war, rechtzeitig zum Melken zurück zu sein (…stattdessen steckte ich in München bei irgendeiner U-Bahnstation fest an dessen Ausgang ein Straßenmusikant mit Gitarre Nirvana-Lieder sang *!horror* :)- Schon seltsam, was mein Unterbewusstsein so verwurstet… :-). Gott sei Dank durfte ich dann am Freitagmorgen nachdem sich mein Schreck vom Traum gelegt hatte wieder mitmelken.

Ansonsten geht es mir weiterhin gut. Traum und Wirklichkeit liegen in meinem Alltag derzeit oft nah beieinander. Ich bin gern hier. Und wenn ich nicht gerade irgendeiner Kuh hinterher laufe dann suche ich Alex, den Schülerpraktikanten, der für 3 Wochen bei uns Praktikum macht.

Uuuuuund: Bald gibt’s das erste Kälbchen!!! Ich werde mich bei Max dafür einsetzen, dass es zumindest mit Zweitnamen „Richeza“ heissen wird :-)……..