Zwischenbericht zum Ende der Wiesn

Es ist Wahnsinn: Noch 3 Tage. Dann ist die Wiesn schon wieder vorbei. Und das, wo ich mich gerade gut & gern dran gewöhnt habe: an die Tage, an denen ich wie ein Wiesnhendl durch’s Festzelt fliege/flitze.

Ich muss sagen: Es macht Spass. Wenig Grantler. Viele freundliche Menschen. Darunter auch herausragende Begegnungen. 2x mit meiner Tante Moni, mit neugewonnenen Stammgästen wie Gabi, die fantastische Stimmung mitbringt, Sieglinde und Herbert, die sich mit jedem Menschen in unmittelbarer Umgebung verbinden und tageweise verratschen können. Dann steht plötzlich meine alte Studienliebe Sophie mit ihrer französischen Verwandtschaft vor mir (Sophie liebe ich deswegen, weil sie ungefähr so lustig ist wie ganz Deutschland zusammen :-), um dann wieder im nächsten Moment meine Lieblingsbärchen Ivi und Franz begrüßen zu dürfen….

Und neue Bekanntschaften sind auch dabei. Hut ab, was sich da alles versammelt. Gestern hat es mir ein 79-jähriger mittelständischer Unternehmer angetan, nachdem ich zuvor den Bruder (aus Köln) von meinem Tennislehrer von ganz, ganz, gaaaaanz früher (aus’m Allgäu) zufällig aus dem bierseligen Mob  herausgefiltert hatte.

Ihr seht: „Ich liebe meine(n) Job(s), ich liebe meine(n), Job(s), ich liebe meine(n) Job(s)“ – das jedenfalls flüstert mir meine liebe Kollegin Nicole zu, wenn es gerade mal ein wenig hektisch wird.

Joh! Endspurt jetzt.
In diesem Sinne,  herzlich
Euer
(Anti-)Stresshendl Richeza

Erholungsurlaub -> auf der „Oiden Wiesn“ *

Ich habe Urlaub und erhole mich auf der Wiesn. Denn eine meiner im vorigen Post erwähnten Pflichten ist die Erholungspflicht, die sich auf Freizeit und Urlaub erstreckt. Und tätsächlich erhole ich mich bisher bei meinem Job als Bedienung auf dem Oktoberfest: In diesem Moment sitze ich z.B. auf dem Sofa in der warmen Stube und überlege, ob ich nicht noch heute Nachmittag in die Sauna gehen sollte. Ich glaube, ich mach das. Aber eines nach dem anderen. Erst bloggen.

Samstags ging die Wiesn los. Bis dahin hatte ich immerhin die Grundausstattung einer Wiesn-Kellnerin zusammen. Ahnung vom Geschäft hatte ich trotzdem keine. Die ersten Stunden nach dem Anstich um 12 Uhr mittags, als mit einem Schlag Menschenmassen über uns hereinbrachen, war ich heillos  überfordert, rann mit den Brathendl auf meinem Tablett um die Wette, schubste und rempelte mich wie ein professioneller Schläger durch die Küche, so dass auch Lächeln nicht mehr weiter half, und machte Fehler. Viele Fehler. Danach ging es. Und am Ende des Tages machte es Spass. Ich weiss, Ihr wollt Fakten: Das Maximum waren 8 Mass auf 1 Mal, die ich -knapp- erfolgreich an den Tisch manövrieren konnte. Nachdem mir gestern aber ein Schankkellner gezeigt hat, wie das geht, sollte 8 Mass zu tragen von nun an relativ problemlos möglich sein. Und das, wo unsere Bierkrüge (Keferloher) schwerer sind als die normalen aus Glas. Werd‘ scho. Kommt vorbei und bestellt 8 Mass – ich zeig’s Euch dann schon! 🙂
Außerdem lerne ich viel: Nicht nur boarisch (zumindest boarisches Wiesn-Imitat; ohne deeeees geht’s neeeeed), sondern auch a) konzentrieren, b) rechnen, c) freundlich & hart zugleich sein, d) mich „durchschlagen“… Denn ohne Konzentration kommt schließlich keiner zu seinem Hendl, sondern am Ende sitzt jemand vor einer Schweinshaxn, die er nie bestellt hat. Wenn ich mich ständig grandios verrechne komme ich schließlich nicht zu meinem (Trink-)Geld. Und wenn ich zu (!) nett bin, fühlen sich die Leute schließlich zu wohl bei mir und stehen nicht mehr auf, saufen aber auch nix mehr. Und „durchschlagen“ muss ich mich, weil meine Kollegen zwar überwiegend sehr freundlich, aber eben auch knallehart und insgesamt ein wenig rauer besaitet sind; da is zu viel „Hihi und Entschuldigung hier/ Entschuldigung da“ fehl am Platz. Insoweit eine gute Übung für mich. 
Dass ich heute Nachmittag zuhause bin hat also nix damit zu tun, dass ich vorzeitig mein Bierzelt abgebrochen und mit meinem Tablett panisch geflüchtet wäre. Nein. Nur hatte ich gestern und heute Pech. Oder Glück. Wie man es sieht. Denn jeden Tag werden wir für andere Tische eingeteilt. Das ist an sich sehr fair. Die Tische meines 3-er Teams (ich arbeite mit 2 reizenden -sympathisch und sehr handfesten – bayerischen Originalen aus dem Oberland zusammen) im Biergarten draußen sind heute bei Scheiss-Regen und 10°C** aber recht unwirtlich, und unbesetzt. Daher konnten wir mittags wieder nach Hause gehen. Freilich, d.h. kein Geld. Aber es heisst auch: Großartig! Ich kann einen Tag so richtig krassen Urlaub machen, so mit Sauna, Vienetta-Eis, Füße hochlegen, mit gut gehen und gut gehen lassen…. Das ist Luxus, Leute! – Das genieß ich. Und mein Körper findet’s wahrscheinlich auch nicht komplett Scheisse. Im Gegenteil. Am Ende des ersten Tages war nämlich auch ich am Ende. Und nur eine volle Badewanne und eine hervorragende Fußmassage haben dafür gesorgt (Danke, Versorger! :), dass ich am nächsten Morgen wieder wie ein „1“ in meinem Dirndl da stand.

So bin ich insgesamt gut erholt. –  Fast wie im Urlaub :-).

* Die „Oide Wiesn“ als historische Wiesn – und damit als Gegenstück zur hysterischen Wiesn :-)-  ist übrigens wirklich auch für all diejenigen Leute zu empfehlen, die das Oktoberfest eigentlich nicht ausstehen können:
Nicht nur die freundlichen Bedienungen im „Festzelt Tradition“ dort sorgen für ein superlatives Höchstmass an Gemütlichkeit und liebenswertem Bayerntum :-))))))))) Auch die Aufführungen verschiedener Blaskapellen und Trachtengruppen im Zelt sind angenehm unterhaltsam. I‘ schwör‘!

** Bei Feuchtigkeit und 10°C wird’s auch im Bierzelt nicht so recht kuschlig. Insoweit neide ich heute keiner Bedienung was – und bin fürmal ganz bescheiden mit meinem Platz auf dem Sofa zufrieden :).