Kurzgeschichten

Nach längerem wwwleidigem Schweigen sind heute Abend mal wieder alle Voraussetzungen erfüllt, Euch das Neuste der letzten Tagen und  Wochen zu erzählen. Weil, a) fall‘ ich noch nicht vor Müdigkeit vom Stuhl, und b) trage ich ein paar literarisch zu verwurstende Gedanken im Kleinhirn mit mir rum, die nach einigen Tagen Sonne und Wärme ausreichend blogreif sind. Drum, voilà, hier serviert: Kleine Kurzgeschichten.

Reflexzone Landwirtschaft
Die Zeit verfliegt. Mit jedem Tag, mit jedem Wetter. Und so kommt es, dass schon wieder 5 Wochen hinter mir liegen. 5 Wochen Erfahrung. Freilich, gewisse Tätigkeiten gehen mittlerweile schon wie von selbst von der Hand. Das ist schön, und deshalb macht mir z.B. die Arbeit im Melkstand weiterhin Spass.
Doch daneben gibt es viele Aktionen, bei ich merke, dass meine landwirtschaftlichen „Reflexe“ nicht besonders gut ausgebildet sind: Ich ziehe irgendwas, statt es zu schieben. Ich gebe was links rum, statt rechts rum. Ich tue einen Hebel nach vorn, statt nach hinten…. *to be continued*. Klar, meistens ist das nicht dramatisch -und Max bleibt ruhig- , wenn es nicht gerade um die Bedienung einer großen Maschine geht – dann schreit Max schon auch mal. Aber es macht mir doch deutlich, dass ich ALLES in der Landwirtschaft erst erlernen muss. Weil ich eben nicht aus der Landwirtschaft komme. Da stellt sich die Frage: Könnte ich überhaupt eine voll ernstzunehmende Landwirtin werden, theoretisch? Und meine Antwort: Das liegt zum Großteil an mir –  ob ich mir das zutraue. 

Besucherströme
Ich habe die letzte Zeit verschiedenen Besuch bekommen. Schön!
Erst Uwe. Max war sehr beeindruckt, wie ich Uwe „abgerichtet“ hätte. Denn Uwe stand mit mir im Melkstand, nicht nur abends, sondern auch morgens früh – und half (!) beim Melken. Ich schwör, so sauber waren die Euter noch nie! Uwe hat kackende Kühe mit Fassung hingenommen, und weiß nun, wo die Milch rauskommt :-)… Mit Uwe kann man einfach alles machen. Auch ihn auf das Beifahrersitzchen des Traktors zusammenfalten (denn dafür ist er definitiv ein zu großer „kleiner Junge“) und dann überall mitnehmen. Das war spannend, und hat mich sehr gefreut.
Dann kam Rosa, frisch aus’m Büro. Abends auf ihrer Vespa angetuckert, stand sie plötzlich fröhlich gockernd mit Ballerinaschühchen zwischen allem Dreck, und erschreckte mich beim Melken. Auch Rosa bekommt von mir 10 von 10 Punkte für ihre Bauernhofbegeisterung. Für Rosa hatte ich noch das Special Event einer Kälbchengeburt an dem Tag organisiert :).
Am selben Tag wie Rosa kam auch meine Schwester Katharina mit Familie vorbei. Ich glaub, Katharina war irritiert, mich einmal arbeiten zu sehen und fragte nachher besorgt, ob es mir denn gut ginge. – Denn das letzte Mal, dass Katharina mich so rumflitzen gesehen hat war wahrscheinlich als ich mit 3 Jahren endlich mal so halbwegs freihändig laufen konnte. Auf jeden Fall konnte ich Katharina beruhigen: Ja, es geht mir gut.
Als letztes kam eine bayerisch-japanische Delegation, bestehend aus CK und Fumiko vorbei. Mei, das war schee. Weil alles irgendwie so gut zusammen passte. In meinen Augen. Ich hoffe, Fumiko und CK haben sich von ihrer Radltour bei 35 Grad im Schatten in der Mittagshitze zum See gut erholt. Helden sind sie! 🙂 🙂

Zwischentöne
Wenn ich versuche, leise Gedanken zu spinnen: Es ist weiter eine sehr intensive Zeit für mich. Die ich genieße auf eine Art. Die mich fordert auf eine andere Weise. Die mir Raum lässt. Weil noch nichts entschieden ist einerseits, und ich ahne, dass es so oder so weitergeht, auf diesem Weg. Die Richtung stimmt. Die noch zu erklimmende Berge und Gipfel kenne ich noch nicht. Aber ich freue mich auf sie. Von hier aus gesehen.

In diesem Sinne herzt Euch
mit ausreichend Landluft zum Atmen und Denken,

Richeza

In Deckung!

Mensch! Kühe! – Richezas ganz private Kuh-Studie: Ich finde, Kühe können manchmal ausschauen wie Hasen. Nämlich, wenn sie stramm dastehen und ihren Kopf samt Ohren und Hörner steif nach oben strecken.

Und manchmal sind sie wie Springmäuse. Offenbar. Das ist die Erkenntnis des heutigen Tages. Denn als wir mittags auf der Weide mit den „kleinen Kühen“, dem Jungvieh waren (…wo se in kindlichem Überschwang den Elektrozaun nieder gemäht hatten, den wir repariert haben), hat sich doch glatt ein Fräulein mir im Gehen von hinten genähert, und *zack*… so schnell konnte ich gar nicht schauen, hing mir eine Kuh am Rücken. Gott sei Dank fiel ich nicht um. Und konnte sie abschütteln. Max klärte mich auf, dass dieses Tier gerade rindert (So heisst die Periode, in der Kühe „läufig“ sind und sich in Hasen und Springmäuse verwandeln! :-).

Ich glaub, ich hab das Kleine defintiv im Stall die letzten Wochen ZU VIEL getätschelt. Das Viech hat sich dabei in mich verliebt und wollte ein Baby mit mir machen. Ich kann mir den Deckungsversuch nicht anders erklären.

Egal. Ich werde von nun an nicht mehr nur Zuckerbrot an die Süßen austeilen. Sondern auch Peitschenhiebe. Man muß wirklich wachsam sein. Auch als Kuhfreundin! 🙂

Ein Ort zum Abheben hier die Gegend: Samstagmorgen, auf meinem Weg zum Bahnhof.