Bei den Hirschen, im Norden

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Agritechnica

Halb zwei, Abfahrt: mit dem PartyNachtbus voll Studenten nach Hannover. Ein bisschen Schlaf. Ein bisschen Spaß. Morgens geht auf der Autobahn die Sonne auf. Die letzten Meter vor der Messe Stau. Nirgendwo in Deutschland dürfte die Anzahl der Bauern pro Hektar höher sein als hier. Endlich drinne. Unser erstes Ziel: Johnnnn Deere. Beeindruckend professionell dort alles. Freilich. Wir machen eine Führung über den Stand mit. Eine Minute widmen wir uns den Kleintraktoren, eine Minute dem Bewässerungssystem, eine Minute den Feldhäckslern und Mähdreschern, eine Minute den Pflanzenspritzen, eine Minute den größten Traktoren,… und am Ende in Ruhe einer Tasse Hirsch-Kaffee. Danke, Johnny 😀

Danach: Vieles begeistert. Nicht nur die allergrößten Maschinen, auch viele kleine Details, der lichte, luftige Stand von CLAAS. Und am Ende, ganz am Ende habe ich noch nicht einmal alles gesehen.

Eine nette Idee für jedes Kinderzimmer
Eine nette Idee für jedes Kinderzimmer

Der Griff ins Postfach

Manchmal habe ich das Gefühl, dass das ansteckend ist… Finde ich geil :-).

Von: Linn
An: Richeza
Gesendet: 12:25 Freitag, 1.Juni 2012
Betreff: Trecker fahren!

Liebe Ricci,

ich bin am Wochenende Trecker gefahren – FENDT – und habe den ganzen Sonntag wie ein Honigkuchenpferd gestrahlt. Da musste ich natürlich auch an Dich denken und schicke Dir auf diesem Weg viele liebe Grüße!

Hoffe wir sehen uns bald mal wieder zum Grillen oder Spazierengehen oder was auch immer.

Alles Liebe, Linn

Linn is‘ lustig.
Die einzige Frage, die ich an Linn habe:  Was war das für ein Fendt??? – Das werde ich sie fragen, wenn ich sie das nächste Mal sehe. Spätestens an ihrer Hochzeit 😛

*zzzzzzzzz*

….zzzum Thema: DB

Baden-Baden, den 27.02.2012

Sehr geehrte xxx,

wir bedanken uns für Ihre erneute Mitteilung zu der oben genannten Fahrpreisnacherhebung.

Ein erhöhter Fahrpreis wird erhoben, wenn der Reisende bei Reiseantritt keine gültige Fahrkarte besitzt bzw. vorlegen kann.

Der erhöhte Fahrpreis beträgt das Doppelte des Normalpreises für die vom Reisenden bereits zurückgelegte Strecke, mindestens jedoch 40,00 EUR. Ihr Vergleich wird nicht angenommen.

Ihre Zahlung in Höhe von EUR 40,00 erwarten wir nunmehr unter Angabe des oben genannten Aktenzeichens bis zum 12.03.2012.

Vorsorglich teilen wir Ihnen noch mit, dass wir weitere Korrespondenz zu oben genannter Fahrpreisnacherhebung als gegenstandslos betrachten und nicht mehr beantworten werden.

Mit freundlichen Grüßen
DB Vetrieb GmbH
Fahrpreisnacherhebung 

Franzi Fahrschein*



*Name von der Bloggerin geändert.

Auch wenn der Pumuckl in meiner Brust sich noch eine ganze Weile über diesen Sachverhalt aufregen könnte und ich einige Tage überlegt habe, ob ich nun a) die 40 Euro zahle, mit dem Schwamm drüber gehe, die Sache unter „Fehler gemacht!/Dazu gelernt?“ verbuche, oder b) zunächst die Schlichtungsstelle für den Öffentlichen Personenverkehr anschreibe, um mich  weiter mit der Frage zu beschäftigen, ob das Verhalten des Herrn Schmalhorn unberechtigt oder einfach nur nicht sehr freundlich war, jetzt also diese Wendung:

Happy End. DB bekommt ihr Geld. Und ich meinen Frieden, in dieser Sache.

Hintergrund:
Ich bin mir bewusst, dass ich Fehler gemacht habe. Nicht nur, dass ich Schaffner Schmalhorn einen Sadisten genannt habe, dass ich mich über Gebühr habe reizen lassen, von einem vielleicht doch nur sehr kleinen, beschränkten Mann, und enttäuscht war über die In-Existenz von Weihnachtsfrieden an jenem Tag.

Wichtiger noch: Ich habe es versäumt, vor dem Ausstieg Menschen im Zug um mich herum zu fragen, ob sie bereit wären, mir ihre Adresse zu geben um notfalls als Zeugen bereit zu stehen, falls ich den Sachverhalt doch noch klären lassen wolle. Und hauptsächlich weil mir diese Zeugen fehlen, breche ich meinen Widerstand hier ab. Denn am Ende behauptet Schmalhorn noch, ich hätte nackert auf seiner Nase Striptease getanzt, und die einzige Möglichkeit, sich gegen diesen Angriff von meiner Seite zu wehren sei gewesen, mich sofort aus dem Fenster zu werfen. Weil das aber nicht ging, habe er damit bis zum nächsten Halt gewartet. Oder irgend so ein Quatsch. Und ich kann nicht beweisen, dass die Szene sich nicht exakt so zugetragen hat.

Alternative:
Ich werde dem Schaffner ein perfides Denkmal setzen, indem ich „Schmalhorn“ in meinen aktiven Schimpfwort-Katalog aufnehme. Und das nächste Mal, wenn ich im Zug sitze und sich was Unerfreuliches anbahnt, werde ich sagen – ruhig und kontrolliert: „Sie – sind – ein -Schmalhorn!“ – Und falls ich dann aufblicke, und auf der Silberplakette vor mir steht zufaellig „Schmalhorn“…

…dann kann mir der Schaffner nichts anhaben.

Überhaupt,
es gibt Wichtigeres. Am vergangenen Freitag habe ich bei der Führerscheinstelle meinen Traktor-Führerschein beantragt. Ich hab’s gar nicht nötig, mich über DB aufzuregen. Schließlich gibt es auch Deutz, Valtra, Claas, Fendt,……..

Kurzgeschichten

Nach längerem wwwleidigem Schweigen sind heute Abend mal wieder alle Voraussetzungen erfüllt, Euch das Neuste der letzten Tagen und  Wochen zu erzählen. Weil, a) fall‘ ich noch nicht vor Müdigkeit vom Stuhl, und b) trage ich ein paar literarisch zu verwurstende Gedanken im Kleinhirn mit mir rum, die nach einigen Tagen Sonne und Wärme ausreichend blogreif sind. Drum, voilà, hier serviert: Kleine Kurzgeschichten.

Reflexzone Landwirtschaft
Die Zeit verfliegt. Mit jedem Tag, mit jedem Wetter. Und so kommt es, dass schon wieder 5 Wochen hinter mir liegen. 5 Wochen Erfahrung. Freilich, gewisse Tätigkeiten gehen mittlerweile schon wie von selbst von der Hand. Das ist schön, und deshalb macht mir z.B. die Arbeit im Melkstand weiterhin Spass.
Doch daneben gibt es viele Aktionen, bei ich merke, dass meine landwirtschaftlichen „Reflexe“ nicht besonders gut ausgebildet sind: Ich ziehe irgendwas, statt es zu schieben. Ich gebe was links rum, statt rechts rum. Ich tue einen Hebel nach vorn, statt nach hinten…. *to be continued*. Klar, meistens ist das nicht dramatisch -und Max bleibt ruhig- , wenn es nicht gerade um die Bedienung einer großen Maschine geht – dann schreit Max schon auch mal. Aber es macht mir doch deutlich, dass ich ALLES in der Landwirtschaft erst erlernen muss. Weil ich eben nicht aus der Landwirtschaft komme. Da stellt sich die Frage: Könnte ich überhaupt eine voll ernstzunehmende Landwirtin werden, theoretisch? Und meine Antwort: Das liegt zum Großteil an mir –  ob ich mir das zutraue. 

Besucherströme
Ich habe die letzte Zeit verschiedenen Besuch bekommen. Schön!
Erst Uwe. Max war sehr beeindruckt, wie ich Uwe „abgerichtet“ hätte. Denn Uwe stand mit mir im Melkstand, nicht nur abends, sondern auch morgens früh – und half (!) beim Melken. Ich schwör, so sauber waren die Euter noch nie! Uwe hat kackende Kühe mit Fassung hingenommen, und weiß nun, wo die Milch rauskommt :-)… Mit Uwe kann man einfach alles machen. Auch ihn auf das Beifahrersitzchen des Traktors zusammenfalten (denn dafür ist er definitiv ein zu großer „kleiner Junge“) und dann überall mitnehmen. Das war spannend, und hat mich sehr gefreut.
Dann kam Rosa, frisch aus’m Büro. Abends auf ihrer Vespa angetuckert, stand sie plötzlich fröhlich gockernd mit Ballerinaschühchen zwischen allem Dreck, und erschreckte mich beim Melken. Auch Rosa bekommt von mir 10 von 10 Punkte für ihre Bauernhofbegeisterung. Für Rosa hatte ich noch das Special Event einer Kälbchengeburt an dem Tag organisiert :).
Am selben Tag wie Rosa kam auch meine Schwester Katharina mit Familie vorbei. Ich glaub, Katharina war irritiert, mich einmal arbeiten zu sehen und fragte nachher besorgt, ob es mir denn gut ginge. – Denn das letzte Mal, dass Katharina mich so rumflitzen gesehen hat war wahrscheinlich als ich mit 3 Jahren endlich mal so halbwegs freihändig laufen konnte. Auf jeden Fall konnte ich Katharina beruhigen: Ja, es geht mir gut.
Als letztes kam eine bayerisch-japanische Delegation, bestehend aus CK und Fumiko vorbei. Mei, das war schee. Weil alles irgendwie so gut zusammen passte. In meinen Augen. Ich hoffe, Fumiko und CK haben sich von ihrer Radltour bei 35 Grad im Schatten in der Mittagshitze zum See gut erholt. Helden sind sie! 🙂 🙂

Zwischentöne
Wenn ich versuche, leise Gedanken zu spinnen: Es ist weiter eine sehr intensive Zeit für mich. Die ich genieße auf eine Art. Die mich fordert auf eine andere Weise. Die mir Raum lässt. Weil noch nichts entschieden ist einerseits, und ich ahne, dass es so oder so weitergeht, auf diesem Weg. Die Richtung stimmt. Die noch zu erklimmende Berge und Gipfel kenne ich noch nicht. Aber ich freue mich auf sie. Von hier aus gesehen.

In diesem Sinne herzt Euch
mit ausreichend Landluft zum Atmen und Denken,

Richeza

Heu!

Ich blogge nicht mehr so viel wie am Anfang. Nicht, weil nichts passiert. Sondern weil mein neuer Alltag schon ein Stück weit zur angenehmen Normalität geworden ist. Und weil manchmal -so wie heute- abends nicht mehr viel geht.

Dabei gäbe es viel zu erzählen.

Gestern und heute haben wir Heu gemacht. Was mit viel Arbeit und Bulldog verbunden ist, hat mir Spass gemacht. Obwohl ich anfangs einen rechten Scheiss mit dem Bulldog zusammengefahren bin (…nein, unser Bulldog fährt noch nicht vollautomatisch von allein und ist daher auf die Intelligenz seines Fahres angewiesen) und ich nur über Max‘ Geduld staunen konnte.
Nach einem langen Tag mit Fahrtwind und Sonne um die Nase fühle ich mich heute Abend mit einem Wort: Sehr glücklich :-).

Und weil ich vom Bulldogfahren so aufgedreht war habe ich abends den Weiher im nächsten Dorf auf seine Badequalität geprüft. Passt! – Auch wenn ich das einzige schwimmende Objekt außer Fischen war.

Ansonsten so: Sascha, mein erstes Kälbchen, bei dessen Geburt ich dabei war, wurde gestern vom Viehhändler abgeholt. Weiterverkauft. Bullenmast. Jetzt muss ich meinen Mutterinstinkt auf die verbleibenden 3 Kälbchen konzentrieren. Zuvor habe ich erfolglos versucht, Saschas Leben zu verlängern indem ich ihn meinen Eltern für ihren Garten aufschwatzen wollte. So als Rasenmäher.  Naja, aber was wollen meine Eltern mit einem Haus(s)tier???

Was eine Geschichte für sich ist: Mein Besuch beim lokalen Johannifeuer (Sonnwendfeier) vor 2 Wochen. – Wenn ich jemals darüber nachgedacht habe in die CSU einzutreten, dann nach diesem Event. So begeistert war ich :-). Doch jetzt begeistert mich nur eins: Ich muss ins Bett…..*zzz*……..

Ein trauriges Traktor-Ende

Gestern Abend kehrte ich zurück auf dem Hof, wo nur alles halb in Ordnung war. Deswegen:

Unser großer Traktor ist in meiner Abwesenheit am Samstag auf der Fahrt mit angehängtem Güllefass ausgebrannt. So ein Vorfall scheint gar nicht so selten zu sein, auch bei Fendt-Traktoren, wie ich nun höre. Ach!

Bene, Max‘  Sohn, der wirklich bemerkenswert schnellschaltende Traktorlenker, hat damit lokale „Berühmtheit“ erlangt.

Denn es steht nicht nur im Münchner Merkur (mit „Bildern vom Einsatz“), sondern auch im „Wolfratshausen-Teil“ der SZ.

Ach Bulldog!…

Das Verhältnis von Spannung und Schönheit*

* Ich find ja, meine Überschriften werden immer NOCH besser :-)…

Tag 4 war zwar nicht spannend.** Schön war er trotzdem.

** So ein Quatsch! Freilich war er spannend: Schließlich bin ich a) heute zum ersten Mal mit dem GROSSEN Traktor gefahren (wenn auch nur 10 Meter. Aber das war so vorgesehen und lässt keinerlei Rückschlüsse auf mein Fahrkönnen auf diesen 10 Metern zu). Außerdem hat Gretl heute erzählt, dass sie mit Patrick Süskind in die Schule ging, und der schon länger mal vorbeiradeln möchte. (Das Buch „Die Geschichte des Herrn Sommer“ hat mich seinerzeit ziemlich absorbiert) Ich werde den Sommer über also immer nach einsamen Radlern am Horizont Ausschau halten, und winken. Und c) hat Max heute einen sehr-super Scherz gemacht. Wollt Ihr den lesen? – Nee, wollt Ihr nich. Aber ich will’s schreiben. Und schließlich geht es hier mal ganz zentral um mich. Naja, eigentlich um Max sein Scherz 🙂

Also, es fing damit an, dass Bene, der Sohn von Max und Gretl, mittags feststellte, dass das ADAC Magazin mit jeder Ausgabe eine Seite mehr Werbung enthält. Das hat mich daran erinnert, dass das als Kind noch nicht so gewesen ist. Denn damals war das ADAC Magazin quasi meine Hauptinformationsquelle. Jedenfalls die Kinderseite darin. Und über die habe ich mal ein Fahrradschloss bei einem Gewinnspiel bekommen: Weil die ADAC-Mitglieder-Kinder Tipps gegen Fahrradklau einschicken konnten, und ich -damals altklug wie heute- dem ADAC völlig triviale Ratschläge erteilt habe, wie er seine Fahrräder gegen Fahrradklau schützen kann. Zum Beispiel, schrieb ich da, durch das Anketten des Velos an BÄUME. – Daraufhin meinte Max: Noch besser wäre gewesen, ich hätte geschrieben „…Bäume, die unter die Baumschutzverordnung fallen“. 🙂 Der Witz ist echt gut, für alle, die soweit kommen, ihn zu verstehen :). – Ich meinte darauf, ich hätte DAS damals nicht geschrieben, weil sonst der ADAC geglaubt hätte, mein Vati hätte mir bei den Tipps geholfen, und mir kein Fahrradschloss verliehen hätte.

In diesem Sinne, Ihr seht schon, alles im Grünen, in Oberbayern. Ob nun spannend, oder schön.

Mit globalen Küsschen***

***herrje, wie albern.

Richeza

Ein Scheisstag ist, wenn man trotzdem lacht

Nach meinem strahlenden Start gestern, folgte heute die Scheisse auf den Fuß. Naja, mir wurde einfach klar, dass ich auch an meinem 2.Tag in der Landwirtschaft noch nicht Alles kann, was nicht weiter traurig ist. Zum Beispiel: Bulldog fahren. Aber das war auch Bulldog fahren für Fortgeschrittene. Stellt Euch das so vor, wenn an einem einem Bulldog VORNE ein Anhänger RÜCKWÄRTS angehängt wird,… und dann soll man damit fahren können, ohne Pfosten umzumähen. (Stellt Euch das einfach möglichst kompliziert vor, danke! 🙂 Ist mir nicht geglückt, aber so ein Pfosten kann man ja Gott sei Dank ersetzen, und außerdem wirkte der eh nicht mehr soo neu. Leid tat’s mir trotzdem, denn ich würde ja gerne auf dem Hof helfen, und nicht erst weitere Arbeit schaffen.

Kurz: Heute war ein Tag, an dem auch Mist passierte. Aber solange mein Landwirt Max die GROSSE Geduld mit mir nicht ausgeht, und mich seine liebe Ehefrau Gretl freundlich vor dem Mittagessen darauf hinweist, dass ich noch Kuhscheisse im Gesicht habe, ist alles gut. Und was noch nicht gut ist, wird werden. Ich übe jedenfalls fleissig, mit dem Traktor, beim Melken (schade nur, dass man nicht mit dem Traktor melken kann),….

Herzlich,
Richeza

P.S.: Ich bin momentan internettechnisch noch ein wenig eingeschränkt. Werd‘ scho.

P.P.S.: Nein, ich bin nicht auf der Alm. Nein, ich bin nicht Sennerin. – Ich bin Landwirtsassistentin, oder so :-)….. Und jetzt bin ich gleich im Bett.