Erholungsurlaub -> auf der „Oiden Wiesn“ *

Ich habe Urlaub und erhole mich auf der Wiesn. Denn eine meiner im vorigen Post erwähnten Pflichten ist die Erholungspflicht, die sich auf Freizeit und Urlaub erstreckt. Und tätsächlich erhole ich mich bisher bei meinem Job als Bedienung auf dem Oktoberfest: In diesem Moment sitze ich z.B. auf dem Sofa in der warmen Stube und überlege, ob ich nicht noch heute Nachmittag in die Sauna gehen sollte. Ich glaube, ich mach das. Aber eines nach dem anderen. Erst bloggen.

Samstags ging die Wiesn los. Bis dahin hatte ich immerhin die Grundausstattung einer Wiesn-Kellnerin zusammen. Ahnung vom Geschäft hatte ich trotzdem keine. Die ersten Stunden nach dem Anstich um 12 Uhr mittags, als mit einem Schlag Menschenmassen über uns hereinbrachen, war ich heillos  überfordert, rann mit den Brathendl auf meinem Tablett um die Wette, schubste und rempelte mich wie ein professioneller Schläger durch die Küche, so dass auch Lächeln nicht mehr weiter half, und machte Fehler. Viele Fehler. Danach ging es. Und am Ende des Tages machte es Spass. Ich weiss, Ihr wollt Fakten: Das Maximum waren 8 Mass auf 1 Mal, die ich -knapp- erfolgreich an den Tisch manövrieren konnte. Nachdem mir gestern aber ein Schankkellner gezeigt hat, wie das geht, sollte 8 Mass zu tragen von nun an relativ problemlos möglich sein. Und das, wo unsere Bierkrüge (Keferloher) schwerer sind als die normalen aus Glas. Werd‘ scho. Kommt vorbei und bestellt 8 Mass – ich zeig’s Euch dann schon! 🙂
Außerdem lerne ich viel: Nicht nur boarisch (zumindest boarisches Wiesn-Imitat; ohne deeeees geht’s neeeeed), sondern auch a) konzentrieren, b) rechnen, c) freundlich & hart zugleich sein, d) mich „durchschlagen“… Denn ohne Konzentration kommt schließlich keiner zu seinem Hendl, sondern am Ende sitzt jemand vor einer Schweinshaxn, die er nie bestellt hat. Wenn ich mich ständig grandios verrechne komme ich schließlich nicht zu meinem (Trink-)Geld. Und wenn ich zu (!) nett bin, fühlen sich die Leute schließlich zu wohl bei mir und stehen nicht mehr auf, saufen aber auch nix mehr. Und „durchschlagen“ muss ich mich, weil meine Kollegen zwar überwiegend sehr freundlich, aber eben auch knallehart und insgesamt ein wenig rauer besaitet sind; da is zu viel „Hihi und Entschuldigung hier/ Entschuldigung da“ fehl am Platz. Insoweit eine gute Übung für mich. 
Dass ich heute Nachmittag zuhause bin hat also nix damit zu tun, dass ich vorzeitig mein Bierzelt abgebrochen und mit meinem Tablett panisch geflüchtet wäre. Nein. Nur hatte ich gestern und heute Pech. Oder Glück. Wie man es sieht. Denn jeden Tag werden wir für andere Tische eingeteilt. Das ist an sich sehr fair. Die Tische meines 3-er Teams (ich arbeite mit 2 reizenden -sympathisch und sehr handfesten – bayerischen Originalen aus dem Oberland zusammen) im Biergarten draußen sind heute bei Scheiss-Regen und 10°C** aber recht unwirtlich, und unbesetzt. Daher konnten wir mittags wieder nach Hause gehen. Freilich, d.h. kein Geld. Aber es heisst auch: Großartig! Ich kann einen Tag so richtig krassen Urlaub machen, so mit Sauna, Vienetta-Eis, Füße hochlegen, mit gut gehen und gut gehen lassen…. Das ist Luxus, Leute! – Das genieß ich. Und mein Körper findet’s wahrscheinlich auch nicht komplett Scheisse. Im Gegenteil. Am Ende des ersten Tages war nämlich auch ich am Ende. Und nur eine volle Badewanne und eine hervorragende Fußmassage haben dafür gesorgt (Danke, Versorger! :), dass ich am nächsten Morgen wieder wie ein „1“ in meinem Dirndl da stand.

So bin ich insgesamt gut erholt. –  Fast wie im Urlaub :-).

* Die „Oide Wiesn“ als historische Wiesn – und damit als Gegenstück zur hysterischen Wiesn :-)-  ist übrigens wirklich auch für all diejenigen Leute zu empfehlen, die das Oktoberfest eigentlich nicht ausstehen können:
Nicht nur die freundlichen Bedienungen im „Festzelt Tradition“ dort sorgen für ein superlatives Höchstmass an Gemütlichkeit und liebenswertem Bayerntum :-))))))))) Auch die Aufführungen verschiedener Blaskapellen und Trachtengruppen im Zelt sind angenehm unterhaltsam. I‘ schwör‘!

** Bei Feuchtigkeit und 10°C wird’s auch im Bierzelt nicht so recht kuschlig. Insoweit neide ich heute keiner Bedienung was – und bin fürmal ganz bescheiden mit meinem Platz auf dem Sofa zufrieden :).

Pflichtenheft

Am Dienstag hatte ich einen Lehrgang: Wie man ein Berichtsheft führt. Und über Unfallverhütung. – Wie schon der Inhalt erahnen lässt, war der eine Teil ein wenig spannender als der andere.

Aufgrund des ersten Teils habe ich aber auch realisiert, dass ich in den zurückliegenden Monaten Pflichten verletzt habe. Das nehme ich -meiner Vorbildung sei Dank :-)- nicht auf die leichte Schulter. Und zwar habe ich gegen meine Verschwiegenheitspflicht verstoßen indem ich hier manches Mal fröhlich bloggte und das Neuste vom Esstisch ausplauderte. Da will ich von nun an Acht geben, dass ich keine Betriebsinterna öffentlich kund tue. Zum Beispiel würde ich nie schreiben, dass Gretl fürchterlich kocht. Vor allem auch deshalb, weil Gretl in Wahrheit ganz zauberhaft kocht.

Allgemeines darf ich aber bloggen, finde ich. Was kein Geheimnis ist: Dass Max und Gretl gerade ein paar (wenige) Tage Urlaub machen und nicht da sind. Dass ich derweil mit Bene den Hof soweit am Laufen halte. Dass ich deshalb die Kälbchenpflege übernommen habe (sonst Gretls Domäne), was… *3x dürft ihr raten* Freude macht. Wir haben nämlich gegenwärtig richtig viele süße Kälber, nahezu in jeder Größe und jeden Geschlechts. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, sich um den Nachwuchs zu kümmern, sag‘ ich immer :-).

Wenn ich gerade aber mal nicht an meine Pflichten denke, dann schaue ich immer wieder in verschiedene Himmelsrichtungen und frage mich, ob das alles eigentlich real ist. Denn ein Tag wie heute hat hier unbeschreiblich viele Stimmungen und Bilder. Ein schönes Bild war es, wie Bene, Nadja, David und ich die größeren Kälber von einer Weide in den Obstgarten äußerst effizient (und wohlgemut) umgetrieben haben. Stimmungen gaben daneben die Berge und der Himmel über den Tag verteilt her. Und wie ich abends so die Zugspitze in ganzer Fönklarheit vor mir sah, rechts daneben die abfallende Bergkette, darüber zurückhaltend von der Abendsonne angestrahlten kleinen Wolken, blauer Himmel dazwischen – da konnte ich nur eines denken:

„Wowwwwww….!“

In diesem Sinne, stets staunend und pflichtbewusst auch,
Richeza